Jonny Rathjens und seine Schwester Alma Tiessen haben mitten in der Flut auf einem Dachboden überlebt.



Schwanger in Todesangst


Als in Bützfleth Land unter war

Christine Schönfeld Bützfleth. Jonny Rathjens schleppte gegen Mitternacht Sandsäcke auf den Deich von als er SOS-Zeichen aus dem Außendeichgelände sah. Diese hat sein Schwager Johannes mit einer Taschenlampe abgegeben. Er und seine hochschwangere Frau saßen seit fünf Stunden auf dem Boden des Zweifamilienhauses fest.
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"Ich habe aber auch gehört, dass schon ein Boot unterwegs war, dass die Beiden da rausholen sollte. Da war ich erst mal beruhigt. Doch als ich dann hörte, dass das Boot gekentert war, habe ich mich mit zwei Soldaten in einem kleinen Schlauchboot dorthin aufgemacht", so Rathjens. Auf einem Apfelbaum vorm Haus des Schwagers saßen die Schiffsbrüchigen Heino Dankers und Hans Koch. In den Zweigen um sie herum zig Ratten, "die haben dort ebenfalls Schutz gesucht."
Nachdem sie die beiden Männer aus der misslichen Lage befreit haben, sind sie auf den Boden der Schwester gelangt. "Mein Schwager hat uns mit einem ausgeworfenen Fischernetz gegen die starke Strömung an das Dachfenster gezogen, an dass das Wasser bereits reichte", erinnert sich der heute 82 Jahre alte Mann. Zusammen mit Schwester, Schwager, den Mitbewohnern seiner Schwester Lene von Borstel und ihrem Sohn Peter, den beiden Soldaten und den geretteten Baumsitzern haben sie auf dem Boden gekauert. Eingewickelt in alten Federbetten und dicht beieinander. "Wir haben unendlich gefroren", erinnert sich Alma Tiessen (73) an die Nacht. Sie war damals hochschwanger. "Ich wollte mich nicht aufregen, weil ich Angst hatte, damit meinem ungeborenen Kind zu schaden." Angesichts des Wasserstandes, der schon den Boden des Hauses erreichte und dem ewigen Hin- und Herschaukeln des Hauses, ist ihr dies jedoch nicht leicht gefallen. "Wir wollten weg, haben uns aber auch nicht getraut, in das Schlauchboot einzusteigen, da war ja überall Stacheldraht unter Wasser, wer weiß, ob wir da nicht reingefahren und dann alle ertrunken wären."
Irgendwann hat sich jemand daran erinnert, "dass auf dem Küchenschrank eine Buddel Rum stand." Durch die Bodenluke fischten sie diese aus dem Wasser und teilten sie sich, "damit uns von innen ein bisschen warm wurde." Gegen fünf Uhr ist ein großes Bundeswehrschlauchboot mit Soldaten eingetroffen und hat die Menschen vom Boden gerettet. Tiessen: "Wir haben etwa ein Jahr in einem Zimmer mit unser am 3. März geborenen Tochter Annette in der Wohnung meines Bruders gelebt. Im Nachbarzimmer hat eine Frau gewohnt, mit ihr haben wir uns die Küche geteilt." Jonny Rathjens war mit seiner Frau und den drei Kindern in dieser Zeit in der Gastwirtschaft Wilhelmi untergeschlüpft.

17.02.2012