Sven-Bolko Heck: "Wir planen weiter." Foto Strüning



Der Veranstalter gibt weiter Gas


Motorrad-Tage in Stade sollen doch stattfinden - Förderverein Grauerort sagt zu - Stadt hält sich zurück

STADE. Sven-Bolko Heck lässt sich so schnell nicht entmutigen. Der Chef vom Medienhaus Heck geht weiterhin fest davon aus, dass vom 1. bis zum 3. Juni das Hanse-Weekend in der Festung Grauerort stattfinden wird. Was seinen Optimismus nährt, ist vor allem ein Gespräch, das er am Mittwoch mit dem Förderverein Grauerort geführt hat. Dessen Ergebnis: Das Motorrad-Wochenende soll stattfinden, der Förderverein will das alte Gemäuer vermieten - allerdings zu fest geschriebenen und im Vergleich zu ersten Ideen deutlich abgespeckten Bedingungen.
Maximal 5000 Besucher sollen an den drei Tagen die Festung betreten. Maximal sind 2000 Menschen zur gleichen Zeit zugelassen. Die Zahl der Motorräder wird auf 300 bis 500 begrenzt. Das Treffen solle dadurch eher einen familiären Charakter als das eines Volksfestes bekommen. Der Veranstalter muss die Sicherheit auf der und rund um die Festung sicherstellen. Das hat auch den Vorsitzenden des Fördervereins, Hans-Hermann Ott, trotz weiter bestehender Bedenken letztendlich überzeugt. Er hatte nach einer anfänglichen Zusage einen Rückzieher gemacht - wohl auch, weil er sich von der Stadt in der Sicherheitsfrage bedrängt fühlte.
"Wir können uns diese Veranstaltung nicht entgehen lassen", sagt Ott. Schließlich sei Grauerort einer der wenigen Kulturstätten im Landkreis, die gänzlich ohne öffentliche Zuschüsse auskomme. 75 000 Euro jährliche Kosten müssen über Einnahmen und Spenden generiert werden.
Sven-Bolko Heck wundert sich über die Szenarien, die in manch Stader Kopf herumspuken. Die Biker, die zu den Hanse-Weekends kommen, seien gut verdienende Menschen und keine Rocker-Clubs, die auf Randale aus seien. Er sieht durch die neuen Bedingungen für die Stadt keinen Anlass, die Veranstaltung nicht zu genehmigen. Was ihn ärgert: Dass von der Verwaltung bisher kein Verantwortlicher das Gespräch mit ihm gesucht habe, obwohl der Antrag bereits im November im Rathaus eingegangen sei.
Das Veranstaltungsgelände sei auf die Außenbereiche des Forts ausgedehnt worden. Wird's im Inneren zu voll, werde keiner mehr reingelassen. Über eine Schleuse am Eintritt (10 Euro), könnte der Sicherheitsdienst sicherstellen, dass nicht zu viele Menschen in das Fort gelangen. Die An- und Abfahrt werden über ein Einbahnstraßen-System geregelt, genügend Parkplätze stünden bereit. Er wolle alles daran setzen, dass die Veranstaltung glatt über die Bühne geht. Schließlich solle Grauerort dauerhaft ein Ziel der Biker sein. "Das ist alles langfristig ausgelegt", sagt Heck. Allein das Gemälde mit den Bikern vor dem Fort-Tor fürs Plakat und die Flyer hätten 6000 Euro gekostet.
Mit offenen Armen wird er dennoch nicht in Stade empfangen. Die Rathaus-Spitze, das wurde während eines Pressegesprächs am Dienstag deutlich, reagiert sehr skeptisch und reserviert auf die Pläne. Am Mittwoch war keine Stellungnahme zu den neuen Absprachen zu bekommen. Auch die Polizei übt sich in Zurückhaltung. "An den Vorbereitungen müssen wir beteiligt werden, allein schon wegen der Verkehrslenkung," sagt Polizeisprecher Rainer Bohmbach. Eine Wertung der Veranstaltung verkneift er sich und sagt nur so viel: "Wo viele Menschen zusammenkommen, besteht immer ein Gefahrenpotenzial." Es komme darauf an, was dort stattfindet.
Das Aktuelle Stade hält sich aus dem Motorrad-Treffen heraus. "Wir müssen nicht auf jeden Zug aufspringen", sagt Vorsitzender Wolfgang Drusell. Die Stader Tourismus GmbH hält den Termin Anfang Juni für "denkbar ungünstig". Geschäftsführer Egon Ahrens weist auf die Kurzfristigkeit der Planungen hin. Normalerweise habe ein Event dieser Größenordnung einen Vorlauf von mindestens einem Jahr, sagt er. Wenn sich die Motorradfahrer treffen, herrscht im Landkreis und der Stadt Hochsaison. Ahrens: "Die Hotel-Kapazitäten sind bereits heute schon fast ausgereizt." (ing)

02.02.2012