Aus der Luft ist die Erweiterungs- fläche des ersten kleinen Hafenausbaus gut zu erkennen. Rund 3,5 Hektar groß ist das frisch geteerte Areal. Am meisten Geld wird im Untergrund verbaut, wo Filteranlagen die Oberflächen- abwässer reinigen. Wenn der Winter dem Zeitplan von Hafenbetreiber Buss keinen Strich durch die Rechnung macht, dann soll der Probetrieb im Februar 2012 aufgenommen werden. Foto Martin Elsen


Viel los ist zur Zeit auf dem Gelände. Die Fläche wird gerade geteert. von Allwörden




Reges Treiben im Seehafen


Hamburger Firma Buss macht den Endausbau der kleinen Hafenerweiterung - Betrieb ab Anfang 2012

STADE.. Im Stader Seehafen auf Bützflethersand herrscht zurzeit Hochbetrieb. Der Hamburger Hafenbetreiber Buss baut die knapp vier Hektar große Fläche dort aus. Fast zwei Jahre hat das Unternehmen auf die Genehmigungen warten müssen. Anfang kommenden Jahres soll der Hafenbetrieb anlaufen, sagt Buss-Projektleiter Mirco Amling.
Überall wird gewerkelt, Lastwagen kippen Schotter ab, ein riesiger Kran hievt ein großes Beton-Bauteil von einem Schwertransporter. Im Bützflether Seehafen ist eine Großbaustelle eingerichtet. Und der Zeitplan ist eng. "Wir wollen mit allem bis Ende des Jahres fertig sein", sagt Mirko Amling. Der Diplom-Kaufmann arbeitet seit fast fünf Jahren an dem Projekt Stade. Nachdem die Planung bereits ungewöhnlich lange gedauert hat, soll es nun wenigstens schnell mit dem Bau vorangehen.
Zu erheblichen Verzögerungen war es nämlich bei der Genehmigung des Hafenbetriebs gekommen. Mehrere Behörden waren eingebunden: Neben den Gewerbeaufsichtsämtern Lüneburg und Cuxhaven auch noch Spezialbehörden in Hannover und Hildesheim. "Dass das die Sache nicht gerade einfacher gemacht hat, kann sich jeder denken", sagt Amling.
Hauptgrund dafür, dass die 3,5 Hektar der ersten kleinen Hafenerweiterung auf Bützflethersand zwei Jahre nach Fertigstellung von Kaimauer und Sandaufschüttungen brachlag, ist der Schallrahmenplan, den die Stadt Stade für das Industriegebiet erstellt hat. Hier werden für die einzelnen Betriebe und Anlagen flächenbezogene Lärmgrenzen definiert - auch für den neuen Hafen.
Notwendig war das geworden, weil das Oberlandesgericht Lüneburg die ursprünglichen Lärmgrenzen in den alten Bebauungsplänen für nicht mehr angemessen eingestuft hatte. Diese Äußerung des Gerichts war im Zusammenhang einer Klage gegen den Bau des Kohlekraftwerks von Electrabel, die sich längst von dem Standort Bützflethersand verabschiedet hat, gemacht worden. Die Stadt zog daraus die Konsequenz und erstellte den Schallrahmenplan.
Nun steht dieser Plan, und Buss konnte im August dieses Jahres loslegen mit dem Ausbau des Hafens. Die Vorgaben für die Lärmimmissionen seien tragbar, sagt Amling. Knackpunkt waren vor allem die Lärmgrenzen im Nachtbetrieb. Mindestens zu einer Verzögerung von einem Jahr habe das alles geführt.
Nun liegen Genehmigungen vor für den Umschlag von Abfall, von Gefahrgütern und von Baustoffen. Darüberhinaus können natürlich alle Standardgüter umgeschlagen werden. Die Sondergenehmigungen seien vor allem mit Blick auf die Nachbarbetriebe Prokon Nord mit der Müllverbrennung und die Dow mit ihren chemischen Produkten eingeholt worden, sagt Amling.
Buss will eine möglichst große Bandbreite an Umschlagmöglichkeiten bieten, um flexibel auf Kundenwünsche reagieren zu können. Wer diese Kunden sein werden, stehe zurzeit noch nicht fest. Er führe viele Gespräche, sagt der Buss-Projekleiter, aber solange keine Verträge unterschrieben seien, halte er sich bewusst bedeckt.
Buss investiert nun in die sogenannte Suprastruktur des Hafens rund acht Millionen Euro. Die Hafenanlage selbst mit Kaimauer und vorbereiteter Fläche hat die landeseigene Firma N-Ports hergestellt. Buss zahlt dafür an N-Ports eine Pacht und muss alles andere selbst bezahlen. Dazu gehören die komplette Versiegelung und Verdichtung der Fläche.
Ganze 1600 Tonnen Zement sind mit Sand vermischt und dann verdichtet worden, um eine hohe Tragfähigkeit zu erreichen. Der Hafenkran hat allein ein Eigengewicht von 400 Tonnen. Viel Geld wird im Untergrund verbuddelt, weil hier teure Reinigungsanlagen für das ablaufende Oberflächenwasser und ein großes Löschwasserbecken installiert werden müssen. Diese ganzen Baumaßnahmen kosten fast fünf Millionen Euro, hinzu kommt der universell einsetzbare Hafenkran, der fast drei Millionen Euro kostet. (pa)


Fakten auf einen Blick

Die versiegelte Fläche des Buss-Terminals ist 3,5 Hektar groß.
Eine Halle wird darauf nicht gebaut, weil die Fläche dafür zu klein ist.
Büros und Sozialräume werden in modernen Containersystemen eingerichtet.
Der rund 400 Tonnen schwere Hafenkran läuft auf Rädern und ist universell vom Containertransport bis zum Schüttgut einsetzbar.
Der Kai bietet mit einer Länge von 210 Metern einem mittleren Schiff Platz. Ein RoRo-Anleger ist auch vorhanden.
Die Tiefe des Hafens liegt bei 8,5 Metern.
Die Hamburger Firma Buss betreibt zwei Terminals in Hamburg (mit knapp 20 und 5 Hektar) sowie je einen Hafen in Wittenberge (Binnenhafen) und in Saßnitz (Ostsee/, 3,8 Hektar).
Im Bau befindet sich ein Terminal in Holland mit knapp 22 Hektar. Stade ist bisher der kleinste Buss-Terminal. Das Interesse an weiteren Flächen in Stade ist groß.
Buss beschäftigt 550 Mitarbeiter und setzt weiter auf Expansion.

Euphorie weicht Depression

Pläne für die große Hafenerweiterung dümpeln vor sich hin – Bürger klagt

Dass die Planungen der etwa 40 Hektar großen Hafenerweiterung auf Bützflethersand vor sich hindümpeln, ist seit Längerem bekannt. Das einmal aus dem EU-Fördertopf für die Region dafür vorgesehene Geld – immerhin rund 100 Millionen Euro – ist längst vom Land woanders ausgegeben worden. Die Euphorie in Sachen großer Hafenerweiterung vor gut fünf Jahren ist heute mit Depression durchmischt.
Gleichwohl: Die N-Ports-Leute aus Cuxhaven treiben das Planfeststellungsverfahren voran und hoffen, es in etwa einem Jahr abschließen zu können, wenn keine Klagen gegen den Hafen kommen. Ob damit zu rechnen ist, ist zwar nicht eindeutig, aber auch keinesfalls auszuschließen. Verzögerungen sind also denkbar.
Der Hafenlogistiker Buss aus Hamburg, der gerade die kleine Hafenfläche herrichtet, hat auf jeden Fall großes Interesse an der Betreiberschaft eines großen Terminals in Stade. „Wir würden das gerne machen. Und je schneller das vorangeht, desto besser ist das für uns“, sagt der für die Stader Projekte zuständige Buss-Mann Mirco Amling. Von der weltweiten Wirtschaftskrise erhole sich die Branche gerade. Und Flächen außerhalb Hamburgs würden dringend gebraucht. Buss hoffe, den Zuschlag bei der Verpachtung des Geländes zu bekommen, wenn die Planung stehe, sagt Amling.
w Unterdessen hat ein Bützflether Anwohner gegen den Genehmigungsbescheid des Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg zum Gefahrgutumschlag der Firma Buss auf der kleinen neuen Hafenfläche Widerspruch eingelegt. Das teilt jetzt die Interessengemeinschaft Deichstraße/Kreueler Weg mit.
Die Initiative, die sich aus Protest gegen das Kohlekraftwerk von Electrabel gegründet hatte, unterstützt den Widerspruch gegen den Genehmigungsbescheid. Der Widerstand des Anwohners sei nicht gegen den Betrieb des Hafens an sich gerichtet, sondern beziehe sich nur auf die Gefahren, die sich aus dem Umschlag von giftigen Stoffen ergeben könnten. (pa)

28.10.2011