Seehafen in Bützfleth: Die kleine Hafenerweiterung wird demnächst von der Hamburger Firma Buss in Betrieb genommen.



Hafenplaner haben ein Lärmproblem


Die große Erweiterung kommt nicht voran - N-Ports und Stadt suchen nach Lösungen

STADE. Von Peter von Allwörden

Vor fünf Jahren noch waren alle euphorisch: Stade sollte einen mindestens 40 Hektar großen Seehafen in Bützfleth bekommen. 2014 sollte er bereits in Betrieb gehen. Doch davon sind Planer und potenzielle Betreiber weit entfernt: Die Planverfahren dümpeln vor sich hin, Probleme gibt es mit den nächtlichen Lärmgrenzen und der Hinterlandanbindung. Die einmal für den Ausbau vorgesehenen rund 100 Millionen Euro EU-Gelder sind bereits für andere Landeshäfen ausgegeben worden. Dennoch sind alle Beteiligten jetzt wieder optimistisch, dass es bald zügig vorangehen wird.
Wenn jetzt alles glatt laufe, dann rechne er in etwa einem Jahr mit dem Abschluss des Planfeststellungverfahrens für den großen Hafenausbau, sagt der für Stade zuständige Cuxhavener N-Ports-Chef Hans-Georg Janssen. Der regionale Leiter der landeseigenen Hafengesellschaft, die bereits den Bützflether Industriehafen betreibt, meint damit, dass es keine Klagen geben dürfte gegen die Planung, was alles zum Stopp bringen würden. Deshalb - so Janssen weiter - sei es wichtig, in der Planungsphase alles genau und rechtssicher vorzubereiten.
Um das zu erreichen, stehe er in engem Kontakt mit der Stadt Stade, sagt Janssen. Denn Abstimmungsbedarf gebe es in Sachen Lärm. Die Kontingente, die im längst vom Stader Rat verabschiedeten Schall-Rahmenplan vorgegeben sind, sind nämlich arg begrenzt. Knackpunkt sind die nächtlichen Lärmimmissionen des Plan-Hafens. Idealerweise sollten sie 60 Dezibel betragen. Bestenfalls 59 wären an einigen Stellen erlaubt, an anderen aber sogar nur 48 Dezibel, rechnet Janssen vor. Und der Unterschied ist erheblich, bedeuten doch schon drei Dezibel Unterschied eine Verdopplung des Lärms. Unstrittig ist für Janssen und alle Hafenexperten andererseits, dass ein Hafen nur wirtschaftlich zu betreiben sei, wenn ein 24-Stunden-Betrieb gewährleistet sei.
Es gehe darum, durch eine "intelligente Gliederung des Hafenbereichs" Lösungen für diese Lärmproblematik zu finden, sagt Stades Stadtbaurat Kersten Schröder-Doms. An solche Lösungen werde gemeinsam mit N-Ports gearbeitet. Denkbar seien etwa Hallen in diesem empfindlichen Bereichen, die gleichzeitig für Lärmschutz sorgen. Auch andere Lärmschutzmaßnahmen kämen in Frage. Wichtig sei auch die Frage der Nutzung des Hafens, ergänzt N-Ports-Mann Janssen. Containerumschlag etwa sei relativ laut. Weitgehend auszuschließen sei etwa Kohle-Umschlag, weil die noch in Planung befindlichen Kohlekraftwerke von Dow und Eon eigene Kohle-Anleger vorsehen. Hier müsse ein Weg gefunden werden, der nicht zu starke Nutzungsbeschränkungen auferlege, andererseits aber so reglementiere, dass der Lärmschutz gewährleistet sei, sagt Janssen.
Der Hafenbetreiber Buss aus Hamburg, der demnächst die Fläche der ersten kleinen Hafenerweiterung von vier Hektar bewirtschaften wird, ist zuversichtlich, entsprechende Auflagen erfüllen zu können. "Wir werden einen ordnungsgemäßen Betrieb gewährleisten, wenn wir auch für die große Fläche den Zuschlag bekommen sollten", sagt Buss-Sprecherin Melanie Graf. Über konkrete Nutzungen könne sie natürlich jetzt noch nichts sagen. Sicher sei aber, dass Buss großes Interesse an der großen Fläche habe, so Graf weiter. Ihr Unternehmen brauche Platz, in Hamburg werde es eng. Zudem sei Buss auf Expansionskurs.
Als vor fünf Jahren die Hafen-Pläne euphorisch begrüßt wurden, boomt es in der Schifffahrt und Hafenwirtschaft dermaßen, dass es dringenden Bedarf an Erweiterungsflächen außerhalb Hamburgs gab. Die Weltwirtschaftskrise bremste diese Entwicklung erheblich. Doch mittlerweile hat die Brache wieder kräftig Fahrt aufgenommen.
Deshalb sind Planer wie Janssen, aber Politiker wie der hiesige Landtagsabgeordnete Kai Seefried (CDU) davon überzeugt, dass Stade ein prädestinierter Standort für den großen Hafen sei - allein wegen der Nähe zu Hamburg. Dazu müsse natürlich auch die A 26 schnell weitergebaut werden, sagt Seefried. Sie ist auch für Buss Voraussetzung für einen ordnungsgemäßen Hafenbetrieb. Seefried macht sich in einem von ihm eingerichteten Runden Tisch auch für die sogenannte Hinterlandanbindung des Hafens stark. Dazu gehört außer der A 26 der Bahnanschluss. Es soll, so der Wunsch der Stadt, ein Industriegleis neu parallel zur Ostumgehung gebaut werden. Solche Fragen sind für Planer Janssen erst einmal nachrangig. Jetzt gehe es um den Hafen. Wenn der rechtskräftig eingetütet sei, kümmere er sich um die Anbindung.

Lärmwerte für die Industrie festgezurrt

Stade: Gremien stimmen für neuen Bebauungsplan

Voraussetzung für die Umsetzung des Rahmenplans Schall ist, dass die Stadt Stade jetzt ihre Bebauungspläne für das Industriegebiet Bützfleth überarbeitet. Diese Planung der Verwaltung, die den einzelnen Betrieben wie AOS oder Prokon Nord Lärmkontingente zuweist, war am Donnerstagabend Thema bei einer gemeinsamen Sitzung vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Umweltfragen (ASU) und dem Ortsrat Bützfleth.
Es gab zwar Kritik von seiten der Bützflether WG und der Grünen, unterm Strich aber standen SPD und die CDU-Gruppe zu den Plänen, die in beiden Gremien mit jeweils nur einer Gegenstimme von den Grünen (ASU) und der WG Bützfleth (Ortsrat) auf Zustimmung stießen. Noch vor den Kommunalwahlen soll der alte Rat den überarbeiteten B-Plan als Satzung beschließen. Die Kritiker stören sich unter anderem an diesem Zeitdruck. Uwe Merckens (Grüne) stellte den Antrag auf Vertagung, der abgelehnt wurde. Problem für die Gegner ist vor allem die Einstufung angrenzender Wohngebiete der Ortschaft Bützfleth als Mischgebiet. Dort gelten im Gegensatz zu reinen Wohngebieten etwas höhere Lärmgrenzen.
Es gilt wohl als sicher, dass der Rat die neue Bauleitplanung verabschiedet. Notwendig wurde sie, weil der alte Bebauungsplan für die Industrie sogenannte Zaunwerte für die Lärmimmission vorgesehen hatte. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hatte in einem Klageverfahrten gegen das ursprünglich projektierte Electrabel-Kohlekraftwerk diese Werte als nicht ausreichend gewertet.

19.08.2011