Ein Mercedes 170 S Cabrio fährt den Kontrollpunkt in der Festung Grauer Ort an.


Ingrid Brunsen und ihr Team am Kontrollpunkt Grauer Ort.



Eine Rallye der guten Laune


Niederelbe Classics: Eine ganz entspannte Schnitzeljagd der Oldtimer-Freunde

Wilfried Stief LANDKREIS. Wer mit seinem Oldtimer in die Festung Grauer Ort einfährt, hat schon den größten Teil der Rallye-Strecke hinter sich. Doch nicht gestresste Rennfahrer kommen bei Ingrid Brunsen am Kontrollpunkt an, sondern entspannte Ausflügler sitzen am Lenkrad der Karossen. Einziger Aufreger kurz vor dem Kaffeetrinken: Ein Jaguar hat sich die Auspuffanlage am Bahngleis abgefahren.
In Klappstühlen haben es sich die drei vom Kontrollpunkt Grauer Ort bequem gemacht. Sie haben die Ruhe weg. Können sie auch, denn alle 120 teilnehmenden Fahrer der Oldtimer-Rallye des Classic Club Niederelbe werden ihnen an diesem Nachmittag die Aufwartung machen, artig ihre Bordkarte vorzeigen und sich nach einer halben Stunde Aufenthalt wieder mit einem freundlichen Gruß verabschieden.
Zunächst allerdings muss erst einmal alles genau stimmen. Der Kontrollpunkt steht falsch. Zehn Meter muss er nach hinten rücken. Gut sichtbar steht das Trio in rot gekleidet am Rande des Festungsplatzes. Meistens sind die Schnitzel dieser ungewöhnlichen Jagd per Oldtimer nicht so schnell zu finden. "Beim letzten Posten mussten wir über einen Bauernhof fahren", erzählt Thomas Fleckenstein aus Brest. Er ist mit einem Alfa Romeo Spider von 1971 unterwegs. Auf seiner Bordkarte ist noch reichlich Platz, darum ist er sich auch nicht sicher, ob er alle Haltepunkte gefunden hat.
"Der ist wohl zu früh dran", nickt Ingrid Brunsen in Richtung des Renault Caravelle Cabrio von 1965, die noch eine Ehrenrunde auf dem Platz dreht, ehe sie den Kontrollpunkt ansteuert. Kurz darauf trudelt Polit-Prominenz ein. Landrat Michael Roesberg und Drochtersens Bürgermeister Hans-Wilhelm Bösch liegen mit einem Mercedes Benz 280 SE gut im Rennen.
So wie Ingrid Brunsen und Ehemann Reinhold vor über 30 Jahren, als sie noch selbst an Rallyes teilnahmen und gewannen. "Da ging es aber um Schnelligkeit, das ist nicht so gut", erzählt Reinhold Brunsen. Heute müssen die Rallye-Teilnehmer zu einer bestimmten Uhrzeit am Kontrollpunkt sein.
Nach der Kaffeepause schmeißt Andrea Rösler ihren Ford Mustang an. Ein Motor mit 6,4 Liter Hubraum erwacht zum Leben. "Wenn ich den Motor höre, steigt mein Puls", sagt die Frau, die den Wagen vor zwei Jahren aus Oregon/USA importiert hat. Für sie ist das Fahren der reinste Genuss. Spricht es - und fährt los. Aber eben noch bei Ingrid Brunsen vorbei. (ief)

11.07.2011